Donnerstag, 1. August 2013

Opiumkriege - Zusammenfassung

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Eine Zusammenfassung der Opiumkriege mit einem praktischen Zeitstrahl der Ereignisse, der einen guten Überblick über das Geschehen gibt: 

Ölgemälde von 1803 mit Schiffen der britischen Ostindienkompanie.
1803: Die Flotte der britischen Ostindienkompanie auf dem Weg nach China.


Ganz zu Beginn der Zeitstrahl von den Chinesischen Opiumkriegen, der eine gute Übersicht über das Geschehen gibt:




Ihr könnt ihn euch auch hier herunterladen. Er ist schon so vorbereitet, dass ihr ihn nur ausdrucken etwas zuschneiden und an die Wand zu hängen braucht. 

Die Ausgangslage: China in Hegemonialstellung


Wie so oft in der Chinesischen Geschichte ist die Ausgangslage in der sich China vor den Opiumkriegen befand wichtig für das Verständnis der späteren Ereignisse.

Karte vom gesamten Gebiet Chinas während seiner größten Ausbreitung 1820.
Das Gebiet der Qing Dynastie im Jahr 1820 zur Zeit der
größten Ausdehnung. Gelb=direkt kontrolliert,
orange=tributpflichtig. (Bild in groß)
Die Elite in China sah China ganz sprichwörtlich als Zhongguo 中国, als das Land der Mitte, als das Zentrum der Welt. China sah sich als allen anderen Kulturen der Welt überlegen. Andere Völker wurden als Barbaren betrachtet. Und dies spiegelte sich auch in den Beziehungen zu den Nachbarländern wieder: Wirtschaftliche Transaktionen durften nur im Zusammenhang mit Tributgesandschaften durchgeführt werden.

Auch spricht für die Hegemonialstellung Chinas die Tatsache, das viele der an China angrenzenden Länder in der Kultur China sehr ähnlich waren. So war der Kalender in manchen südostasiatischen Ländern beispielsweise dem chinesischen sehr ähnlich, oder die Chinesische Schrift in Japan und Korea übernommen worden. Was weiterhin für China als das kulturelle Zentrum dieser Zeit spricht ist der Umstand, das andere Völker der Region die Chinesische Hauptstadt als ihren Regierungssitz gewählt haben (man denke an die Mongolen (Yuan-Dynastie) oder die Manchus (Qing Dynastie)). Dabei hat sich China allerdings stets friedlich verhalten und sich den anderen Ländern nicht aufgedrängt.

Die Opiumkriege setzten der Hegemonie Chinas ein bitteres Ende. Gekommen ist das durch den profitablen Handel mit Opium.

Der Dreieckshandel: England - Indien - China 


Angefangen hat das Ganze mit einem Außenhandelsdefizit, das England im Handel mit Indien hatte. In den indischen Kolonien wurden Tee und andere Erzeugnisse angebaut. Das Problem dabei war allerdings, dass die Schiffe fast leer nach Indien fuhren und mit dem, in England so beliebten, Tee beladen wieder zurück. Nun kamen ein paar schlaue Geschäftsmänner auf die Idee in Indien Plantagen mit Opium anzupflanzen, dieses nach China zu verkaufen und dafür Gold und Porzellan mitzunehmen und in Indien noch Tee für den Weg zurück nach England aufzuladen. So entstand ein Kreislauf mit dem sich sehr viel Geld machen ließ.

NPG title: Robert Clive and Mir Jafar after the Battle of Plassey, 1757
Mit Waffengewalt sicherte sich die britische Ostindien-
Kompanie die Herrschaft über große Gebiete Indiens.
Die treibende Kraft hinter diesen Aktionen war die Ostindienkompanie, eine eigentlich private Handelsvereinigung, die in Indien jedoch de facto die Macht inne hatte. 1773 begann sie damit im großen Stil Opium das für China bestimmt war in Indien anzubauen.

Das war dann in den 1820er Jahren eine bedeutende Einkommensquelle für die Briten. So war der Verkaufspreis für Opium 1868-1878 bei 1.400 Rupien. Der Herstellungspreis allerdings nur 400 Rupien. Es war also ein sehr lukratives Geschäft.

Der Verkauf des Opiums lief zu Beginn über die Cohong, der Händlergilde von Kanton, die allein dazu berechtigt war mit Ausländern Handel zu treiben. Später wurde der Handel mit Opium verboten. Dann fuhren die englischen Schiffe mit ihrer Ladung vor die Chinesische Küste, wo sie das Opium, in Kisten verpackt, an kleinere Händler weitergaben, die es dann ins Land schmuggelten. Die Gewinne dabei waren so enorm, dass viele Händler ihr Leben riskierten.

Sehr wichtig waren später auch die großen Handelsgesellschaften, wie
Jardine, Matheson & Co., die die modernsten und schnellsten Schiffe hatten. Sie haben in 1830ern ca. 15 Millionen amerikanische Dollar verdient. Zum Vergleich: Ein Schiffskapitän verdiente 150$ pro Monat, eine Ziege kostete 3$. 

Der für die daran beteiligten Geschäftsleute so lukrative Opiumhandel wurde schnell zu einem Problem für die Chinesische Bevölkerung: 

Opium

Opium war in China schon lange vor den Opiumkriegen bekannt und als Medizin in Gebrauch (in medizinischen Werken tauchte es ab dem 12. Jhd. auf). Wie es dazu gekommen ist, dass die Leute es geraucht haben ist unklar. Möglicherweise kam es über Taiwan ins Land. Der erste dokumentierte Fall wurde 1729 aufgezeichnet, als ein Opiumhöllenbesitzer aufgehängt wurde.

Bild von 2 Männern, die Opium verpacken, Quelle: Drugging a nation. The story of China and the Opium Trade. Fleming H Revell Company
Zum Transport wurde das
Opium zu Ballen geformt.
Im Westen war Opium ein Schmerzmittel und weithin sozial akzeptiert. In England war die Opiumsucht weit verbreitet. Es gab sehr viele Abhängige, besonders unter den Armen, darunter auch viele Kinder. Opium wurde als harmlos angesehen und der Zusammenhang mit der Sucht war noch nicht verstanden. 1939 war Opium für die meisten Tode durch Chemikalien verantwortlich.

Die Folgen des Konsums von Opium ist sehr problematisch: Zu Beginn führt es zu Glücksgefühlen, später entsteht eine schlimme Suche, die zu verschiedenen Kreislauf- und Magenproblemen, Appetitlosigkeit und einem frühen Tod führt. Erzugserscheinungen sind:  Schmerzen, Fieber, Tränen, usw. Aber am schlimmsten war die Passivität und Lethagie, in die die Opiumsüchtigen verfielen. Dies hatte dann später nach dem ein großer Teil Chinas der Opiumsucht verfallen war, schwere Auswirkungen auf die Volkswirtschaft, da ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung in den Opiumhöllen dahinsiechte. Auch war die Opiumsucht für viele Familien der Ruin, was sich in herzzerreissenden Schicksalen offenbarte. Reiche Familien konnten die finanzielle Belastung noch überstehen, aber arme Familien wurden durch die Sucht ihrer Lebensgrundlage beraubt. Sie verkauften ihre Familienmitglieder in die Sklaverei und hatten nichts mehr zu essen, wodurch viele Familien verhungerten.

Gegen diese gravierenden Probleme wollten viele Chinesen und Regierungsmitglieder natürlich etwas unternehmen:
 

Der erste Opiumkrieg


Kaiser Daoguang beschloss den Opiumhandel zu verbieten. Er beauftragte mit der Durchsetzung des Verbots den für seine Integrität berühmten Beamten Lin Zexu. Dieser setzte das Verbot auch durch und zerstörte 20.000 Kisten Opium, was ca. 6,2 Mio. Silberdollar entsprach. Das gefiel den Engländern natürlich überhaupt nicht. Queen Victoria schickte George Elliot mit einer Flotte moderner Dampfschiffe nach China. Diese waren der chinesischen marine hoffnungslos überlegen und so folgten ein paar kurze Kämpfe, gegen die die chinesische Marine nichts entgegenzusetzten hatte: der erste Opiumkrieg. (Die chinesische Marine war in einem so schlechten Zustand, dass sie sogar von unbewaffneten Handelsschiffen floh und ihre Kanonenkugeln einfach aus den Rohren plumpsten. Auch an Land war es nicht besser: Chinesische Generäle liefen bei Kämpfen einfach fort) Aufgrund der ohnmächtigen Unterlegenheit der chinesischen Streitkräfte blieb dem Chinesischen Kaiser nichts anderes übrig als den ungleichen (und echt unfairen) Vertrag von Nanjing zu unterschreiben. Darin wurde den Engländern die Öffnung einiger Häfen (Kanton, Xiamen (Amoy), Fuzhou, Ningbo und Shanghai) sowie der freie Handel mit Opium garantiert. Außerdem wurde China zur Zahlung einiger heftiger Reparationszahlungen gezwungen.

Ölgemälde vom ersten Opiumkrieg von Edward Duncan vom 13 Mai 1843
Die Chinesische Armee war den britischen Kanonenbooten
hoffnungslos unterlegen. (Bild in groß)
Die Folgen des Vertrags waren verheerend. China konnte die Einfuhr ausländische Waren nun weder verhindern noch besteuern. So kam es zu einem langsamen Ausbluten des chinesischen Staatshaushaltes. Eine Verarmung und ein großer Kapitalabfluss waren die Folge. Auch andere Kolonialmächte kamen nach China: So gab es 1844 ein Abkommen mit den USA und 1845 eines mit Frankreich. Auch diese Mächte kamen mit Kanonenbooten und zwangen China Veträge auf.

Die Ausmaße der Opiumsucht wurden nun immer schlimmer: 1854 gab es in China 3 Millionen Opiumraucher. In Shanghai waren es sogar 55% der Männer! In Shandong 15%. Im Landesinneren hingegen war es besser: dort raucht niemand. Die Anzahl erhöhte sich in den folgenden Jahren noch weiter, bis 1930 10% der gesamten Bevölkerung süchtig waren. Das waren 40 Mio. Menschen. Wie oben schon erwähnt hatte das massive Auswirkungen auf die Wirtschaft und schreckliche Folgen für die Einzelschicksale.

Der zweite Opiumkrieg


Unter einem Vorwand, kam es zu einem weiteren Krieg, der zwar als offiziell Reaktion auf die Beschlagnahmung eines chinesischen Schiffes unter britischer Flagge, der Lorcha "Arrow" bezeichnet wurde, in Wahrheit aber nur der Ausdehnung des Einflussbereiches der englischen Macht diente. Dieser zweite Opiumkrieg, der auch Arrow-Krieg (wegen des Schiffes) genannt wird, war dem ersten sehr ähnlich. Auch in diesem Krieg war das chinesische Militär wieder komplett unterlegen und es kam zu einem erneuten sehr unfairen Vertrag, dem Vertrag von Tianjin. Dabei wurden weitere Städte für die Ausländer geöffnet und den Engländern umfassendere Rechte zugestanden.

Ratifizierung des Vertrags von Tianjin, Publiziert 1860, Author unbekannt
Unterzeichnung des Vertrags von Tianjin, 1858.
Sehr demütigend war auch die Meistbegünstigtenklausel, auf der sich dann die Exterritorialität der Ausländer gründete (Ausländer dürfen in China wohnen, werden aber nicht nach Chinesischem Recht bestraft, sie können also ungestraft alles machen).

Die Chinesische Dynastie war in einem katastrophalen Zustand. Die Führung war sehr ungeschickt, die Beamten total korrupt, die Bevölkerung hat sich stark vermehrt, usw. So kam es zu mehreren Aufständen, wie dem verheerendsten, dem Taiping-Aufstand, bei dem es schätzungsweise 20 Millionen Tote gegeben hat. Er wurde von dem wahnsinnigen Hong Xiuquan geleitet.

Das Ende des Opiumhandels 


Mit der Zeit hat dann der Opiumhandel an Bedeutung verloren: China hat ab Ende des 19. Jhds. begonnen selbst Opium anzubauen. Auch waren die Engländer nicht mehr so abhängig vom Opiumhandel. Außerdem waren die Chinesischen Reformbewegungen gegen Opium. 1917 wurden die letzten Kisten Opium in Shanghai verbrannte. Dennoch ging der Anbau in China selbst weiter.


Das Erbe der Opiumkriege


Die Opiumkriege und das Trauma der ausländischen Gewalt über China hatte später wichtige Auswirkungen auf die Chinesische Geschichte. So wollte die KP China, China vor dem Einfluss des Westens schützen, was dann zu der Abschotttung des Landes führte. Außerdem legitimierten sie damit ihre eigene Herrschaft. Aber auch der erzwungene Kontakt mit neuen Ideologien hat direkt oder indirekt zum Fall der Qing beigetragen.


Quellen


Folgende Bücher finde ich empfehlenswert:

Jonathan Spence - Chinas Weg in die Moderne   


Hier finden sich viele Hintergrundinformationen über die damalige Zeit und ein geschichtlicher Abriss.

Jonathan Spence, Chinas Weg in die Moderne, 1995, Carl Hanser Verlag, Link


Janine Hunt - The India-China Opium Trade in the Nineteenth Century


Janine Hunt,  The India-China Opium Trade in the Nineteenth Century, McFarland & Co Inc (Oktober 1999) Link, google books

Das ausführlichste und klarste Buch über den Opiumhandel, welches ich gelesen habe. 

Tipps, wie ich das Thema gelernt habe:

Ich hatte ich das Thema Opiumkriege in meiner Abschluss-Prüfung. Das war ein historisches Thema, bei dem es vor allem darum geht historische Daten auswendig zu lernen. Bei historischen und zeitlichen Abläufen hilft es mir immer ungemein mir einen Zeitstrahl in meinem Kopf vorzustellen, welcher mir dann ein Gerüst und eine gute Orientierung gibt. So kann ich die Informationen auch gut zusammenfassen. Habe ich einmal so ein Gerüst, fällt es mir viel leichter die Informationen einzuordnen.

Solche Lerntechniken haben mir in meinem Studium sehr weitergeholfen. Ein Buch was ich dazu empfehlen kann ist Erfolgreich Lernen lernen, von Christian Grüning. :)


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